Das Thema «online/offline sein» wird aktuell wieder vermehrt diskutiert. Für den 15. Dezember 2013 wird zum Beispiel einer der zahlreichen offline-Tage organisiert. Die Initianten des #offlineDay Kevin und Tom rufen dazu auf, einen Tag komplett ohne Internet zu verbringen. Was ich vom Grundgedanken des bewussten Umgangs her eine gute Idee finde, für mich aber sogleich wieder ausgeschlossen habe. Warum das?

Ich komme zum Schluss, dass ich gar nicht mehr zwischen online und offline unterscheide. Ich lebe einfach. Und ich bediene mich dabei der Mittel, die für mich gerade passen und auf die ich Lust habe. Ich mische dabei online und offline ohne über den Ursprung nachzudenken. Ob ich mein Notizbuch zur Hand nehme, schnell etwas in meinem Smartphone google, eine Schallplatte auflege oder über das iPad einen Film schaue – ich wähle und entscheide nicht bewusst zwischen online und offline sondern orientiert am aktuellen Bedürfnis. Das ist bei dieser ganzen Diskussion eine für mich wichtige Erkenntnis. Denn wie soll ich die Motivation finden, an einem offline-Tag teilzunehmen, wenn ich in meinem täglichen Leben gar keinen Unterschied mehr mache?

Und das führt mich zu einer weiteren Frage: Ist es schlecht oder bedenklich, keinen Unterschied mehr zu machen? Nein, für mich nicht. Denn wie bei allen Dingen geht es doch um das für jeden Menschen individuell richtige Mass. Wenn ich nur noch vor dem Computer sitze hat das für mich ähnliche Folgen, wie wenn ich mich in meinen Büchern vergrabe. Das habe ich zum Beispiel als Kind getan. Da hiess es dann schon auch mal «leg doch endlich das Buch weg und komm zu uns». Also in etwa gleich wie heute das «leg doch endlich dein Smartphone weg und komm zu uns».

Und schon sind wir bei der nächsten Frage: Stimmt etwas mit meinem Sozialverhalten nicht? Auch diese Frage kann ich getrost mit Nein beantworten. Und im Anschluss die Fragen: Bin ich süchtig nach Informationen, habe ich gar Angst etwas zu verpassen oder kann ich einfach nicht mehr «abschalten»? Auch hier ein Nein, wenn auch ein nicht mehr ganz so deutliches. Ich bin auf so vielen Plattformen unterwegs, ich verpasse unentwegt etwas. Dadurch baut sich bei mir aber kein Stress auf. Und in den Ferien schalte ich z.B. meinen Office-Mailaccount sogar auf dem Smartphone aus. Diesen Sommer habe ich fünf Wochen lang meine Geschäftsmails nicht gelesen. Man kann also nicht behaupten, ich könne nicht abschalten und loslassen. Es ist immer eine Frage des Wollens und des «Bewusst-Seins». Wird mir bewusst, dass mir etwas nicht gut tut, ändere ich es. Oder ändere es bewusst nicht, dann muss ich aber mit den Folgen leben ohne mich über diese zu echauffieren.

emaildeaktivieren

Im 2009 war mein Facebook-Konsum ziemlich hoch. Zumindest für mein damaliges Empfinden. Das war für mich dann schon dieses «online und wieder offline gehen», von dem auch heute noch geredet wird. Und ich startete einen Selbstversuch. Ich verzichtete 30 Tage lang auf Facebook. Natürlich dokumentierte ich meine Erfahrungen in einem Blog, was mich heute noch schmunzeln lässt – aber lest selber: Frau W. verzichtet…  

fbverzicht

Ich habe nach diesem Selbstversuch sogar meinen Facebook-Account gelöscht. Und meinen älteren, zweiten Twitter-Account auch. Irgendwann bin ich dann wieder bei Facebook eingestiegen, denn der totale Verzicht war für mich in diesem Fall nicht der passende Weg.

Alles in allem keimt in mir die Erkenntnis, dass mein Verhalten wohl einfach zeitgemäss ist. Vielleicht ist es nicht ganz adäquat zu meinem Alter? Egal. Jeder Mensch wird anders sozialisiert, beeinflusst und wählt den für sich stimmigen Umgang in allen Bereichen seines Lebens selber aus. Für mich fühlt sich mein Leben und mein Verhalten richtig an. Ich fühle mich nicht weniger sozial als andere, ich verkümmere nicht, ich bin noch fähig zu verzichten und ich gerate nicht in Panik, wenn der Smartphone-Akku mal auf 1% runterfällt.

einprozent

Toll finde ich das allerdings nicht und ohne Internet würde mein Leben definitiv in der aktuellen Form nicht funktioneren. Mein Smartphone zu Hause zu vergessen ist nicht schlimm aber einfach ärgerlich. Genau so ärgerlich ist es für mich aber auch, wenn ich mein geliebtes Moleskinebüchlein mit all den vielen Notizen vergesse. Nicht, weil ich dann etwas verpassen könnte, sondern weil es mich der freien Wahl beraubt. An dieser Stelle könnte ich mich jetzt schön verzetteln und in die Diskussion abdriften, ob man denn immer eine freie Wahl haben muss und ob diese gesellschaftliche Entwicklung für die nachkommenden Generationen nicht schädlich ist. Tu ich aber nicht (das Verzetteln).

Und nun? Nun findet der #offline-Day am 15. Dezember statt und ich werde wohl den Austausch mit all den Offlinern an diesem Tag vermissen. Und ich bin gespannt auf die vielen unterschiedlichen Erfahrungen und Erkenntnisse. Und ihr? Jeder muss für sich selber einen Umgang mit all den vielen Möglichkeiten des heutigen Lebens finden. Macht mit und probiert es aus, wenn immer euch danach ist. Viel Spass!